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Faszien Pilates
Prinzipien

Die Prinzipien

Ürsprünglich haben sich aus dem Faszientraining vier Prinzipien entwickelt. Wir haben dem „Ninja-Prinzip“ eine eigene Bedeutung gegeben, da sich bei diesem Aspekt die Bewegungsqualität immer in Verbindung mit einer (semi)-geschlossenen Kette steht.

Zur Übersicht in Deutsch und Englisch sind dies Folgende:

 Englisch
1. Vorbereitende Gegenbewegung Elastic Recoil / Rebound Elasticity
2. Ninja Prinzip
Ninja Principle
3. Dynamisches Dehnen, schnell und langsam
Soft Tissue Stretching
4. Hydration der Grundsubstanz
Fascial Release
5. Propriozeptives Refinement
Fluid Refinement

Vorbereitende Gegenbewegung

Bei diesem Prinzip geht es darum, die Strukturen der zu bewegenden Gelenke in einer langen Kette vorzudehnen. Bevor also die eigentlich geplante Bewegung ausgeführt wird, wird sich zunächst in die Gegenrichtung bewegt, um die Faszienkette dieser gegenüberliegenden Seite aktiv vorzuspannen. Aus dieser Vorspannung wird die gespeicherte Energie frei gesetzt und es entsteht eine elastisch, federnde Bewegung, die wie bei einem Katapulteffekt ins Schwingen kommt. Ziel ist es, ohne jegliche Muskelkraft und durch optimales Timing Schwünge entstehen zu lassen, so dass eine fließende Eigendynamik wie bei einem elastischen Jojo entsteht. 

 

Das Ninja-Prinzip

ist, wie der Name schon sagt, inspiriert durch die Kunst der japanischen Ninja-Krieger, die in der Lage sind, sich geräuschlos und leise, annähernd unsichtbar, an ihre Opfer heranzuschleichen. In der Trainingsbewegung geht es darum eine Ganzkörper-Vorspannung aufzubauen, die federnde Bewegungen wie Hüpfen, Laufen oder Springen ermöglichen. Es gilt sich „faszial-leise“ zu bewegen und nicht „muskulär-laut“. Dies ist nur möglich, wenn diese Ganzkörper-Vorspannung  aufrecht erhalten wird, indem der Boden und die Schwerkraft wie ein Trampolin genutzt wird.

Gleichzeitig werden bei den hüpfend-federnden Bewegungen, entweder durch Hände oder Füße, frühzeitig abgebremste Richtungswechsel eingebaut. Dies kann man ganz besonders deutlich bei Kapoera-Tänzern beobachten, die mit ihren elastischen Fortbewegungen wie ein Flummi mit eingebautem Richtungswechsel über den Boden federn.

 

Dynamisches Dehnen – schnell und langsam

Bei diesem Faszien-Prinzip „Dynamisches Dehnen“ unterscheiden wir 2 Arten, schnelles und langsames Dehnen. Wichtig hierbei ist, dass die Muskulatur und das Gewebe gut aufgewärmt sind, vor allem bevor dynamisch schnell gedehnt wird. War dies zu früheren Zeiten verpönt, erfreut sich das schnell federnde Hineinwippen in verspannte Gewebe, Dank der aktuellen Erkenntnisse aus der Faszienforschung, neuer Beliebtheit. Wichtig dabei ist, dass der ganze Körper beim schnellen Dehnen in bewusster Grundspannung bleibt, was ihm Kontrolle für die zu dehnenden Gewebe verleiht.

 

Hydration der Grundsubstanz        

                                                                                  

Unser Körper ist ein Ozean an nährenden Flüssigkeiten und Gewässern, die unser Gewebe regelrecht im Fluss halten. Bei dem Prinzip „Hydration der Grundsubstanz“ geht es vor allem darum den regen Austausch dieses inneren Ozeans zu stimulieren. Durch Kleingeräte wie dem  Tennisball, dem Foam-Roller oder ähnliche Hilfsmittel die der Beschaffenheit der Genannten ähnlich sind, können durch schmelzenden, langsamen Druck auf die zu behandelnden Strukturen eine Durchfeuchtung der Bindegewebsschichten wieder angeregt werden. Ein langsames, Hineinschmelzen in das Gewebe, gefolgt von einem kontinuierlichen Entlanggleiten der zu behandelnden Faszie ermöglicht, dass das Wasser aus diesen Strukturen wie bei einem vollgesogenen Schwamm heraus gepresst wird (Schleip und Klinger 2007). In der danach folgenden Ruhepause strömt das Wasser in dieses Gewebe wieder ein, das aus den umliegenden Geweben stammt sowie aus dem lymphatischen und vaskulären Gefäßnetz - der Schwamm saugt sich erneut voll.

 

Propriozeptives Refinement

Bei diesem Prinzip spüren wir zum einen die tiefsten, innersten Gewebeschichten unseres Körpers auf, um auch die durch Faszien stützenden Trennwände, innerhalb des Muskels anzusteuern. Durch kleinste Mikrobewegungen, in denen aktive, lokale Bewegungskontraktionen zum Einsatz kommen, können s.g. „blinde Flecken“ im Körper stimuliert werden. Also die Geweberegionen, an denen die sensomotorische Tonusregulation partiell abgestumpft ist (Robert Schleip, Divo Müller).

Zum anderen werden raumgreifende, fast endgradige Bewegungen ausgeführt, um die oberflächlicheren Faszienschichten zu erreichen. Denn hier liegen dicht bepackt mechanorezeptive Nervenendigungen, die durch unterschiedlichste Zug- und Dehnreize stimuliert werden.

Propriozeptives Training erzielen wir also dadurch, dass wir die Wahrnehmungskapazität des Bindegewebes fördern und fordern. Es soll sich also möglichst vielseitig und abwechslungsreich bewegt werden, mit unterschiedlichsten Trainingsimpulsen, um einer Erlebnisvielfalt, die unser Bewegungspotential unseres Körpers gerecht wird.   (Robert Schleip, Divo Müller).